Reden im Landtag
15.06.2017, 17:00 Uhr | Hannover
 
Globales Lernen für die Zukunft Niedersachsens: Bildung für nachhaltige Entwicklung stärken
Erste Beratung: Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen - Drs. 17/8223

Hannover -

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen von SPD und Grünen, Sie betonen in Ihrem Antrag zu Recht die Wichtigkeit de UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Auch wir sind überzeugt, dass Bildung der Schlüssel für nachhaltige Entwicklung ist. Das gilt hier und natürlich auch weltweit. Unsere Aufgabe als derzeitige Generation ist es, dieses Ziel in unserer Bildungslandschaft zu verankern. Insofern haben Sie unsere Unterstützung.

Nicht umsonst hat ja auch unsere Bundesbildungsministerin die Federführung für die Umsetzung des Weltaktionsprogramms für Deutschland übernommen. Ich denke, im Sommer sollte es jetzt soweit sein, dass wir einen neuen Plan für die Umsetzung in Deutschland bekommen.

Wir haben ja auch hier bereits vor über einem Jahr sehr viele Netzwerke, Lernorte und sogar Kommunen ausgezeichnet – das gilt auch bundesweit -, wo die Veränderung von Lernprozessen in Richtung nachhaltiger Bildung in Gang gebracht worden ist, und das mit sehr vielen interessanten, begeisternden Ideen.

Es ist in der Tat so, dass diese Dinge – gerade bei der nachwachsenden jungen Generation – das Verhalten jedes Einzelnen beeinflussen können und sozusagen als Werthaltung auch in ihn eindringen. Insofern stimmen auch wir Ihrem Antrag zu. Das gilt auch für Niedersachsen. Sie, die Kolleginnen von SPD und Grünen, sprechen ja auch viele Beispiele an. Sie zeigen im Abschnitt darauf die ganze Bandbreite auf. Ich denke, es kommt in den nächsten Jahren auch noch allerhand hinzu.

Lassen Sie mich aber doch das eine oder andere Nachdenkliche anfügen.

Gerade beim Begriff „globales Lernen“ habe ich auch ein paar ungute Gedanken. „Globales Lernen“ meint ja eigentlich das Lernen für das Überleben und das möglichst gute Weiterleben aller Menschen auf dem ganzen Globus; und dazu sagen wir Ja.

Wir sind hier zwar „nur“ für die niedersächsische Schul- und Bildungslandschaft verantwortlich, was ja auch schon einiges ist. Aber ich erhoffe mir – ich meine, wir müssen es fordern -, dass wir auch weltweit Kontrollinstrumente bekommen, die messen, dass auch global an diesen Zielen gearbeitet wird. Die Kritik an der derzeitigen umweltpolitischen Position der USA ist ein Anfang. Er reicht aber noch nicht aus. Es geht ja insgesamt auch um eine entwicklungspolitische Partnerschaft. Das meint: auf einer Ebene. Und das meint auch nicht, dass der eine viel tut und der andere weniger oder gar nichts.

Die Agenda 2030, auf der das alles basiert – vor anderthalb Jahren ist sie mit ihren 17 Zielen ja weltweit unterschrieben worden -, besagt ausdrücklich, dass das Ganze für alle gilt. Dieses Weltaktionsprogramm ist ja ein konkretes Beispiel dafür. Dazu gehört – da, meine ich, müssen wir auch nachdenklich sein -, dass es darum geht, dass jeder Mensch das Wissen, die Fähigkeiten und die Einstellung erwerben können müsste – in jedem Land. Aber ich denke, wir haben hier unsere Verpflichtung – und ich will auch gar nichts relativieren, um Missverständnissen vorzubeugen -, allerdings noch ist es so, dass unsere Bemühungen – die sich noch verstärken werden – in vielen Ländern dieser Erde von Herrschern und Herrschereliten ganz stark konterkariert werden, nicht zuletzt in Afrika.

„Globales Lernen“ meint ja nicht nur unsere Verantwortung – die ist gegeben, und da mache ich keine Abstriche; ich betone es noch einmal -, sie trägt aber Früchte für den Globus insgesamt und auf Dauer nur dann aus, wenn auch alle mitmachen – und nicht die einen viel und intensiv und die anderen möglichst gar nichts. Wird werden nicht die Erfolge haben können, wenn wir das nicht auch bei anderen einfordern. Da haben wir eben viele Systeme, die diese Ziele für ihre Bevölkerung verhindern.

Nun noch zu den Kompetenzen der Bildung für nachhaltige Entwicklung. 

Damit ist das Verfügungswissen – dass man etwas weiss -, das Orientierungswissen – dass man die Richtung kennt -, und das Handlungswissen – dass man auch etwas tut – gemeint. Sie haben es in ihrem Antrag kurz zusammengefasst und zutreffend als „Dreiklang von Wissen, Bewerten und Handeln“ bezeichnet.

Ich möchte aber – ich kann nicht ganz umhin – kurz an das erinnern, was wir in der letzten Woche im Landwirtschaftsausschuss behandelt haben. PETA hat einen Aufruf an 1.400 niedersächsische Schulen gestartet, eine Art Boykottaufruf, auch was unsere landwirtschaftliche Produktion angeht. Wenn ich mir vorstelle, dass tatsächlich – was der Sinn war – damit gearbeitet würde, dann habe ich doch den Eindruck, dass zum Orientierungswissen in Richtung globales Lernen – das umfasst auch Konsumgewohnheiten – noch ein bisschen mehr gehört als so ein Aufruf. Da hätte ich mir von der Kultusministerin nicht nur den Hinweis auf die eigenverantwortliche Schule gewünscht – der ja zutreffend war -, sondern dass man auch sagt : Dazu gehören sicherlich auch noch andere Quellen. - Das nur kurz. So etwas kommt einem durchaus in den Sinn.

Sie haben auch den Ausbau der Umweltzentren als außerschulische Lernorte angesprochen. Im Zusammenhang mit der Biosphären-reservatsstelle, die Sie genannt haben, fällt mir auch noch die Biosphärenreservatsstelle Elbtalaue in Hitzacker ein, die auch sehr gute Öffentlichkeitsarbeit betreibt und sicherlich auch wirken kann. Übrigens haben wir so etwas teilweise schon in den vergangenen Jahren in Projekten dank weitsichtiger Lehrer und Lehrerinnen gemacht.

In der letzten Woche fand ich übrigens ein Projekt in Dannenberg ganz niedlich, schön und sicherlich ergiebig – ich glaube, es war die Oberschule -, bei dem sich die Schüllerinnen und Schüler unter dem Motto "Plastikpiraten on tour" mit dem Plastikmüll in einem Fluss in Lüchow-Dannenberg beschäftigt haben. Es kann ja nicht jeder gleich auf die Weltmeere gehen. Das sind sicherlich Dinge, an die auch Sie gedacht haben.

Letzter Punkt : Sie fordern, "mehr pädagogische Fachstunden abzuordnen". "Abordnen" heisst aber "von der einen Stelle weg und an die andere hin". Da frage ich natürlich : Woher kommen diese Stunden? Wo streichen Sie? Was fehlt den Schulen dann? Wie wollen Sie das angesichts der derzeitigen Unterrichtsversorgung schaffen, zumal wir in den Bereichen Ganztag, Inklusion – gerade auch die Inklusion unserer Migrantenkinder – jede Menge zu tun haben?

Ich habe trotz der grundsätzlichen Zustimmung zu Ihrem Antrag, die ich deutlich gemacht habe, den Eindruck, dass wir über die Ausgestaltung aber noch werden reden müssen. Insofern freue auch ich mich auf die Beratungen im Ausschuss.

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