Reden im Landtag
15.12.2014, 13:00 Uhr | Hannover
 
Schule muss zur Achtung der Individualität jedes einzelnen Menschen und zu Toleranz erziehen - Diskriminierung jeglicher Art vorbeugen!

Zum Antrag
„Schule muss der Vielfalt sexueller und geschlechtlicher Identitäten gerecht werden – Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen fördern – Diskriminierung vorbeugen“ (von SPD und Grünen, Drs. 17/1333) sowie
Änderungsantrag der CDU-Fraktion „Schule muss zur Achtung der Individualität jedes einzelnen Menschen und zu Toleranz erziehen - Diskriminierung jeglicher Art vorbeugen!“ (Drs. 17/2464)

 

Hannover -


Der Antrag von Rot-Grün will sexuelle Vielfalt in ihrer ganzen Breite zum verbindlichen Unterrichtsthema machen - in allen Altersstufen und Fächern, Curricula diesbezüglich ändern, gar die Genehmigung von Schulbüchern davon abhängig machen, die Leute von SchLAu in die Schulen holen und finanziell unterstützen, Schulprogramme und Fortbildung von Lehrern darauf ausrichten.

Aber nach entsprechender Kritik von Lehrern, Eltern, Glaubensgemein-schaften, nach Petitionen, Unterschriftenlisten und breiter kritischer Diskussion in der überregionalen deutschen Presse haben Sie dann doch recht schnell die Rechte der Erziehungsberechtigten und der eigen-verantwortlichen Schule in ihren Änderungsantrag aufgenommen. Ganz so reibungslos wie gedacht hatte das Ganze also nicht geklappt.
Und die eigentliche Diskussion - das prophezeie ich Ihnen - wird noch folgen.

Ihre Motivation, keine Diffamierung von Homosexuellen zuzulassen, ist in Ordnung. Aber wie soll das geschehen, mit welchen Mitteln? Und erfüllen diese Mittel dann den Zweck oder bewirken sie auch ganz anderes?
Gucken wir doch auf andere Bundesländer: Berlin, NRW und die entsprechenden Beispiele aus der Praxis, z. B. Uwe Sielerts Buch „Jan und Lisa“ mit Bildern, die jede Menge Anstoß erregt haben, und viele andere Beispiele gibt es noch. Ihr Antrag öffnet Tür und Tor - auch zu so etwas - und setzt keine Grenzen.
Nicht umsonst gehen Sie jetzt in die Defensive, sagen gegenüber der Presse alles, was nicht gemeint ist, so Kollege Försterling, woanders auch Frau Hamburg, nämlich, dass es nicht um Frühsexualisierung geht und nicht um die Vermittlung von Sexualpraktiken.

Naja, aber welche Fragen und welche Inhalte sind für welche Altersstufen gedacht? Oder: Sie sagen, Elternrechte würden ja nicht beschnitten. Nur, wie geht das, wenn z. T. nicht mal der Lehrer weiß, was bei besagten Besuchen im Unterricht geschieht, eben weil er nicht anwesend ist.
Wie sollen denn anschauliche Lehr- und Lernmittel aussehen oder ist es mit der Präsenz z. B. von Homosexuellen im Unterricht getan?

Wir malen den Teufel nicht an die Wand, dürfen aber die Augen nicht davor verschliessen, wie sexuelle Vielfalt bereits gehandhabt wird, und zwar nicht in dunklen Hinterzimmern, sondern in Erziehungseinrichtungen und Schulen in Deutschland.
Dazu müssen wir uns äußern. Aber Sie tun es nicht.

Eine Forderung in der wissenschaftlichen Diskussion dazu ist z. B., dass die sog. Heteronormalität überwunden werden soll, d. h. dass das Zusammenleben von Mann und Frau mit leiblichen Kindern – Kollege Försterling ergänzt so gern „und Eigenheim und Katze“, wenn Sie das lächerlich machen wollen – zu verdrängen, damit Kinder und Jugendliche, die anders fühlen, in ihrer Entwicklung keinen Schaden nehmen. Das klingt auch bei Ihnen im Antrag an, und dadurch sollen gleichgeschlechtliche Partnerschaften danebenstehen.
Ehe und Familie als das von den meisten Menschen bevorzugte Lebensmodell, das sogar vom Grundgesetz besonders geschützt wird, wäre dann eben nur eines von vielen möglichen. 
Wollen wir das wirklich?
Und soll der, der das nicht will, gleich als homophob beschimpft werden?

Es geht darum - da haben Sie recht - der Diskriminierung Homosexueller entgegenzuwirken, aber nicht um den Preis, dass verschieden-geschlechtliche Eltern mit ihren Kindern als Lebensform der Beliebigkeit preisgegeben werden nach dem Motto: Man kann es so machen, es geht aber auch ganz anders.
Dieser Gedanke liegt nahe, wenn Uwe Sielert, Sexualpädagoge der Uni Kiel, etwa sagt: „Eine ernstzunehmende Erziehungswissenschaft muss die Dominanzkultur zunächst infrage stellen, um dann langsam menschenfreundliche und das Individuum berücksichtigende Inhalte zu konstruieren, die dann parlamentarisch auch eine Mehrheit kriegen müssen, um in die schulischen Curricula zu kommen“.
Weit von diesem Punkt sind wir jetzt jedenfalls nicht enfernt!

Ich unterstelle Ihnen von SPD und Grünen ja nichts, sehe aber, was ihr Antrag alles zuläßt. In Baden-Württemberg war übrigens der grüne Ministerpräsident Kretschmann politsch so klug, den entsprechenden Antrag zur sexuelllen Vielfalt erstmal zurückzunehmen, um Mißverständnissen vorzubeugen.
Ministerpräsident Weil täte gut daran, dasselbe zu tun.

Ihrem Anspruch, der Diskriminierung Homosexueller entgegenzuarbeiten, stimmen wir zu. Pädagogisch vernünftig geht das aber anders.
Dazu unser Veränderungsvorschlag: Wir setzen uns ein für Toleranz gegenüber verschiedenen Lebensstilen, auch der sexuellen Orientierung. So, wie wir unsere Schülerinnen und Schüler in ihrer Individualität anzunehmen haben, so sollen auch sie Achtung und Respekt jedem einzelnen Mitmenschen in seiner Individualität entgegenbringen.

Und ich betone: Menschen in ihrer Vielfalt zu akzeptieren, auch ohne – und das ist wichtig – ihre Orientierung zu teilen, egal in welchem Bereich, ist eine Voraussetzung für eine freiheitliche Gesellschaft, in der sich die Würde jedes einzelnen Menschen auch im Alltagsleben als „unantastbar“ erweist – nicht nur nach den Buchstaben des Gesetzes.

Wir wenden uns deshalb gegen Diskriminierung und Ausgrenzung jeglicher Art, ob aufgrund von Herkunft, Glauben, Hautfarbe, politischer oder sonstiger Orientierung.
Aber wir wollen keine Verengung auf das Sexuelle. Denn entsprechend ihrem Bildungsauftrag hat die Schule ohnehin über die Vielfalt der Auffassung in allen gesellschaftlichen Bereichen zu informieren und durch gründliche Auseinandersetzung damit zur Identitätsfindung unserer Schüler beizutragen.
Schulische Sexualerziehung ist nur ein Teil davon.

Und hier muss man besonders sensibel vorgehen,
altersangemessen und zurückhaltend,
da Sexualität auch eine sehr private Dimension hat

und auch die Entwicklung von Schülerinnen und Schülern innerhalb einer Altersgruppe sehr unterschiedlich ist.
Und wir haben auch glaubens- und kultursensibel zu agieren vor dem Hintergrund verschiedener Kulturen und Religionen in unserem Land. Und gerade hier sind natürlich die Eltern einzubinden, wo ihr Erziehungsrecht in besonderer Weise berührt wird.

Und – seien wir doch ehrlich – unser geltendes Schulgesetz gibt uns bereits viele Möglichkeiten.
Für unsere Curricula gilt doch ohnehin das Gebot der aktuellen Anwendung, d. h. z. B. wenn wir etwa Vorurteile gegenüber gängigen Geschlechterrollen thematisieren, so vorgesehen in den Curricula, heißt das vor dem aktuellen Hintergrund des geänderten Adoptionsrechts, dass gleichgeschlechtlichen Partnerschaften ein neuer Stellenwert eingeräumt wird, und zwar ohne dass Ehe und Familie als bevorzugte Lebensform der Beliebigkeit preisgegeben werden.

Wir wollen die Schulen weiterhin ermuntern zum sinnvollen Einbinden externer Besucher, auch um die Verschiedenartigkeit in unserer Gesellschaft deutlich zu machen. Natürlich sollen Lehrern Fortbildungen zum Umgang mit solcher Diversität in der Gesellschaft angeboten werden. Schulprogramme und Projekte sollen gesellschaftliche Toleranz in ihrer ganzen Breite berücksichtigen.
Aber: Schulen und Lehrerinnen und Lehrer dürfen nicht in ihrer Freiheit beschnitten werden.

Ich denke, das ist eine gute Grundlage für unsere Schulen und berücksichtigt auch Ihr Anliegen. Nicht umsonst sagte neulich im Ausschuss ein SPD-Kollege: „Im Grunde kann man ihrem Antrag zustimmen“.
Tun Sie es!

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

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